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Die Bedürfnispyramide nach Maslow oder wo sich das Gefühl der Dankbarkeit überall versteckt

Von Sylvie Bueb am 24. Februar 2015

Die Bedürfnispyramide nach Maslow oder wo sich das Gefühl der Dankbarkeit überall versteckt

Bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich erst einmal eine interessante Übung für mich selbst gemacht: ich habe mich zurückgezogen, für ein paar Minuten, habe mich auf mein Herz fokussiert und mich befragt, für was ich denn heute dankbar sein könnte. Und dabei ist mir die Pyramide von Maslow in den Sinn gekommen, die die wir vor gefühlt endloser Zeit in der Schule gelernt haben.

Erst wenn wir krank sind erkennen wir was sonst reibungslos funktioniert

 

An der untersten Stufe stehen da unsere physiologischen Bedürfnisse. Und ich darf dankbar sein, dafür, dass ich einfach nur gesund bin, ein Dach über den Kopf habe und Essen kann, was mir der Kühlschrank in dem Moment bietet. Wahrscheinlich denken wir nicht viel darüber nach, da wir es als eine Selbstverständlichkeit annehmen. Bis zu dem Tag, an dem wir mit einer Grippe ans Bett gefesselt sind, wir uns leidend im Bett wälzen und mit der letzten noch intakten Regung die Tastatur unseres Computers bedienen, um die Termine abzusagen, die nun verschoben werden müssen.

Dann werden wir uns wieder bewusst, wie schön es eigentlich ist, einen gut funktionierenden Körper zu haben, all unsere Organe, die tagtäglich reibungslos ihre Arbeit tun, damit wir essen, arbeiten und schlafen können. Nichts mehr als das. Aber das ist schon eine ganze Menge. Nur: unser Fokus richtet sich meist auf den Mangel, nicht auf die Fülle. „Achtsamkeit“ nennt man das in der buddhistischen Lehre. Also bin ich heute schon mal meinem Körper dankbar, für all das, was er mir heute geschenkt hat.

Auf der nächsten Stufe stehen die Sicherheitsbedürfnisse. Nun, ich muss keine Angst haben, verfolgt zu werden oder um mein Leben zu fürchten. Ich habe ein Haus, in dem ich ein paar Stück Holz in den Kamin legen kann, wenn es draußen kalt und ungemütlich nass ist. Ich darf mir sogar Zeit nehmen, und mich mit einem guten Buch auf mein Sofa setzen, mit einer warmen Decke. Wunderbar!

Wie geht es weiter? Ah, die sozialen Bedürfnisse. Wir würden als Menschen verkümmern, wenn wir nicht mit anderen kommunizieren könnten, uns mitteilen oder anvertrauen könnten. So war ich heute auf einem ansprechenden Netzwerk Event, auf dem ich viele Menschen kennenlernen durfte. Selbstständige mit interessanten Projekten, die sie in die Realität umsetzen. das Lächeln meiner Kinder, ein anregendes Gespräch mit einer Arbeitskollegin.  Auch in diesem Bereich wurde ich heute reich beschenkt.

Freiheit zu entscheiden als Luxus

Auf der obersten Stufe der Pyramide: Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung. Das klingt nach Fanfaren und Pompons. Tatatata! Wir sehen diesen „Luxus“ der Selbstverwirklichung wahrscheinlich gar nicht so spektakulär. Was heißt das schon? Einen verantwortungsvollen Job in einer angesehenen Firma zu haben? Als Selbstständige sich durch ein Wust von täglichen Hindernissen zu kämpfen, um sich Zeit freizuschaufeln für die Aufträge, die dann doch nicht kommen?

Stopp! Das ist keine Dankbarkeit, im Gegenteil. Ich beschwere mich, dass es nicht immer so einfach ist. Also ändere ich den Fokus: ich durfte in der noch kurzen Zeit meiner Selbstständigkeit so viel Neues entdecken und lernen. Interessante Menschen kennenlernen. An meine Grenzen stoßen. Meine Ängste und Zweifel überwinden. Ja, auch dafür bin ich zutiefst dankbar!

Wenn ich also all diese Punkte Revue passieren lasse, gibt es doch eine ganze Menge an Dingen, für die ich jeden Tag dankbar sein darf. Nur, es fehlt uns oft am Bewusstsein für diese Geschenke. Wir sind dazu erzogen worden, problemorientiert zu denken. Und weil wir das immer wieder und regelmäßig tun, verknüpfen sich unsere neuronalen Verbindungen immer mehr – und werden zu Gewohnheiten, eingespielten Handlungsabläufen. Und dabei haben wir es in der Hand, diese Mechanismen zu durchbrechen, jeden Tag.

Durch eine einfache Übung wie diese: nehmen Sie sich jeden Tag abends 5 Minuten Zeit. Lassen Sie den Tag Revue passieren und schreiben Sie 3 Situationen auf, für die Sie dankbar sind. Es können auch ganz alltägliche Dinge sein. Dann konzentrieren Sie sich auf Ihr Herz und beginnen zu fühlen.

Dankbarkeit zu „halten“ ist schwer

Es ist ungewohnt für uns. Auch wenn es nur ein paar Minuten pro Tag sind – fällt es uns nicht schwer, dieses Gefühl innerlich aufrecht zu erhalten? Dankbarkeit ist kein Gefühl, das mit einem hohen Energieeinsatz einhergeht, es kommt auf leisen Sohlen daher. Es ist subtil, sanft, wie eine warme Brise an einem Sommertag.

In unserem 6-wochigen Training haben wir auch eine Übung zur Dankbarkeit vorgesehen. Die Teilnehmer sollen drei Dinge pro Tag aufschreiben, für die sie dankbar sind. Nichts Spektakuläres.

Einige haben damit Probleme, die Übung von 5 Minuten dauert zu lange. Das ist tatsächlich so, weil wir es einfach nicht mehr gewohnt sind, in dieses Gefühl einzutauchen. Vielleicht finden wir noch die 3 Dinge, wenn wir uns darauf konzentrieren. Vielen fällt es aber schwer, im Herzen, im Gefühl zu bleiben, weil unser Geist ständig aktiv ist und sich gewissermaßen „einmischt“. Kennen Sie das auch? Es kommen dann Gedanken, wie „eigentlich müsste ich ja noch diese Email beantworten“ oder „warum hier sitzen, wenn ich doch mit dem Haushalt sowieso im Nachtreffen bin“ oder „schnell noch aufräumen, bevor die Familie heim kommt“. Seien Sie unbesorgt: das ist ganz normal. Wenn Sie das dann aber ein paarmal gemacht haben, wird es Ihnen leichter fallen. Sie werden sich innerlich nicht mehr so leicht ablenken lassen. Und Sie werden spüren, dass es etwas mit Ihnen macht.

Denn hinter dieser einfachen Übung steckt noch viel mehr: durch regelmäßige Anwendung verändern wir unsere innere Haltung. Wir beginnen, in Situationen nicht immer das Negative zu suchen, sondern auch in Rückschlägen einen tieferen Sinn zu suchen. Wir beginnen, uns wieder zu wundern über die vielen kleinen Sonnenstrahlen, die uns das Leben jeden Tag zuspielt. Wir lassen diese wieder zu uns vordringen, uns innerlich berühren.

Um nochmals auf die Pyramide von Maslow zu kommen: ich sehe die Dankbarkeit nicht als Hierarchieebene. Es macht mir aber wieder mal sehr stark deutlich, wie gut es mir geht. Ich muss in keinem der essentiellen Bereichen Mangel leiden. Es ist wirklich schon alles da, was ich brauche: und dafür bin ich zutiefst dankbar.

Viele weitere interessante Blogs zum Thema Dankbarkeit findet ihr auf der Blogparade von Mara Stix: Es lohnt sich, sich inspirieren zu lassen!

Ihre Sylvie Bueb

 

Sylvie Bueb, ist Trainerin, Heilpraktikerin und Coach in Frankreich und Deutschland (www.heart-beats.me).

Sie hilft Menschen im Arbeitsalltag, Druck und Stress selbstständig abzubauen – wieder Zugang zu seiner inneren Wahrnehmung, seinen Emotionen zu finden. Gemeinsam mit Martina Baehr betreibt sie die Initiative „Kraftvoll statt Ausgebrannt“  Wirksame Stressregulierung im Arbeitsalltag.

 

Foto: Weebly

 

 

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